18.05.12
Positive Resonanz für "Rettungsschirm für Pflegende"
Bundesweite Mahnwachen fanden anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden statt. Parallel in neun Landeshauptstädten forderte der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) am 11. und 12. Mai den „Rettungsschirm für die Pflegenden“ und wies auf die belastenden Arbeitsbedingungen der Pflege hin. Es wird für mehr Unterstützung durch Politiker in Bund und Ländern gekämpft. Gefordert wird ein Rettungsschirm, der in der Pflege viel dringender gebraucht wird als im Bankensektor. Dieser Meinung schlossen sich im Laufe der Mahnwachen viele Bürger in Gesprächen vor Ort an. "Jeder braucht Euch irgendwann, Eure Arbeit ist wichtig und wird viel zu wenig anerkannt", so die überwiegende Einschätzung der Passanten.
Zeitgleich gingen in Berlin, Bremen, Düsseldorf, Schwerin, Hannover, Dresden, Wiesbaden, Stuttgart und München zehntausende von Pflegenden auf die Straße, um Politiker in Bund und Ländern in die Pflicht zu nehmen und die Bevölkerung zu informieren. Sie fordern:
• Ein zukunftsfestes Gesundheits- und Sozialsystem
• Die vorhandenen Mittel müssen so ausgegeben werden, dass eine gute, sichere Versorgung der Menschen gewährleistet wird
• Respekt und Anerkennung für die Leistung, die sie in ihrem Beruf erbringen
• Arbeitsbedingungen, die es möglich machen, diesen Beruf wieder mit Freude und Stolz und möglichst ein Leben lang auszuüben
• Mitsprache bei gesundheitspolitischen Entscheidungen
• In allen Versorgungsbereichen mehr qualifiziertes Pflegepersonal, denn kranke und pflegebedürftige Menschen haben ein Recht auf würdevolle Betreuung
Quelle: Pressemitteilung der DBfK vom 14.5.2012
09.05.12
Altersgerechtes Wohnen
Altersgerechter Wohnraum ist in Deutschland immer noch Mangelware - so das Institut für Gesundheits- und Sozialimmobilien FH Trier. Aus einer Erhebung des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) geht hervor, dass 93% noch nicht altersgerechte, angepaßte Wohnungen sind, 4 % sind Wohnformen in Alten- und Pflegeheimen, nur 2 % in betreutem Wohnen und weniger als 1 % in Pflegewohngruppen sowie im gemeinschaftlichen Wohnen.
Von 11 Mio. Seniorenhaushalten sind laut KfW lediglich 570.000 (5,2 %) barrierefrei bzw. barrierearm.
Bis 2020 bereits werden weitere 2,5 Mio. angepaßte Wohneinheiten benötigt. Dies entspricht einem Investitionsvolumen von 39 Mrd. € !
Quelle: Car€ Invest, Ausgabe 9. vom 4.4.12
26.04.12
Problembewusstsein für die Pflege
Berichte vom MDK Kongress – 5. Pflegetag DAK Gesundheit:
Das Bundesgesundheitsministerium nimmt wahr, dass das Problembewusstsein für die Pflege der heutigen Gesellschaft in der Bevölkerung noch nicht da ist. Das macht es schwierig Finanzierungfragen zu gestalten. Der ambulante Umgang mit der immer größer werdenden Zahl an Demenzkranken wird ebenso als sehr schwierig angesehen. Die stationäre Betreuung ist in diesen Fällen wesentlich leichter, was den Bedarf an Pflegeplätzen noch mehr in die Höhe treibt.
Der Vorsitzende des "Expertenbeirates zur konkreten Ausgestaltung eines neuen Pflegebedürftigkeisbegriffs" gibt als Grund für die 3 jährige Verzögerung das Finanzierungsproblem an.
Der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) fordert seit 2001 eine Green Card für ausländische Pfleger. Er sieht die stationäre Pflege als Verlierer der aktuellen Gesetzgebung und macht deutlich: "Die Pflege ist der soziale Kit, der die Gesellschaft zusammen hält. Demnächst fliegt uns dieser um die Ohren."
Der Vorstandsvorsitzende der DAK Gesundheit wundert sich nicht über die Zurückhaltung junger Menschen im Pflegeberuf, wenn ständig über die dramatischen Zustände in der Pflege diskutiert wird statt eine Neuordnung voranzutreiben.
Ein Professor der Universität Bremen nimmt den neuen Pflegebedürftigkeisbegriffs nicht so ernst, da seiner Meinung nach er die Pflege nicht reformieren werde. Er lenkt vielmehr von anderen wichtigen Themen ab. Die Pflegepolitik klebe zu sehr an Legislaturperioden und man fange immer wieder von vorne an, weshalb er einen "Sachverständigenrat Pflege" fordert, der sich ausschließlich mit Fragen der Pflege befasst.
Quelle: Social Company für soziales Handeln UG (haftungsbeschränkt), Newsletter Nr. 6/ vom 5.4.2012
26.04.12
Pflegemarkt_Investoren auf der Suche
Laut dem Branchendienst der Pflegewirtschaft "Car€ Invest" ziehen das Investitionsvolumen und die Preise im Markt wieder an. Demnach können in diesem Jahr noch 400 Mio. € investiert werden. Potenzielle Investoren sehen die Entwicklung noch nicht so positiv. "Viele Fonds investieren deutlich langsamer als geplant, Häuser wie die Commerz Real sind noch immer nicht übers Ankündigen hinaus, andere wie die DCM sind anderweitig beschäftigt. Die Münchner ILG hält es inzwischen für viel zu riskant, bei Seniorenimmobilien nur auf reine Pflegeheime zu setzen – wegen der massiven rechtlichen Förderung ambulanter Dienste", fasste hier die "Immobilien Zeitung" einige Stimmen zusammen.
Während der Marktbeobachter Frank Löwentraut (Chef der Bad Homburger Avivre Consult) für 2011 ein Transaktionsvolumen von 350 Mio. € festgestellt hat, erwartet er für 2012 400 Mio. €. Den rein rechnerischen Bedarf an neuen stationären Pflegeplätzen bezifferte Löwentraut im Februar 2011 bis 2030 mit 252.000 und sogar 334.000 bis 2040. Dies entspricht bei einer durchschnittlichen Heimgröße von 120 Plätzen einem Bedarf von 2.100 Heimen bis 2030 und 2.780 bis 2040. Der Durchschnittswert pro Neubauplatz beträgt 83.000 € - dies erfordere ein Investitionsvolumen in Höhe von 21 Mrd. € bis 2030 (27,7 Mrd. € bis 2040).
Dem kommt hinzu, dass ca. 30% der Heime nicht mehr Marktgerecht seien und die Hälfte in den nächsten Jahren vor einer Insolvenz stehen werden. Rechnet man laut Löwentraut die erforderlichen Ersatzinvestitionen der Bestandshäuser den Neubauinvestitionen hinzu, wächst der Finanzbedarf auf 65 Mrd. € bis 2030 (105 Mrd. € bis 2040).
Da derzeit nur 60 neue Häuser in den Markt gehen, was deutlich zu wenig ist, wird die Auslastung durch den steigenden Bedarf in den Heimen kontinuierlich steigen – die Branche wird für Investoren so noch interessanter.
Quelle: Car€ Invest, Ausgabe 8 vom 20.4.2012
28.03.12
Daniel Bahr: "Kultur des Vertrauens"
Bundespflegeminister Daniel Bahr hat zur Eröffnung der Branchenleitmesse ALTENPFLEGE unterstrichen, die Pflege in Deutschland neu ausrichten zu wollen. Zentraler Punkt bleibe die Einführung und Umsetzung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, das Pflege-Neuausrichtungsgesetz, das er am Mittwoch ins Kabinett bringen wird, sei als ein erforderlicher Vorgriff zu verstehen, um die Situation der an Demenz erkrankten Menschen schnell zu verbessern. "Das Thema Pflege gehört stärker in die Öffentlichkeit dazu leiste die Messe Altenpflege ihren Anteil", so Bahr. Er kündigte an, dass am Mittwoch im Bundeskabinett das Pflege-Neuausrichtungsgesetz (PNG) verabschiedet werde, das etwa die Situation von Demenzkranken zügig verbessern soll.
Die Gesundheits- und Pflegewirtschaft habe mit ihren 4,7 Millionen Beschäftigten auch als Jobmotor bei der Schaffung ortsverbundenen Arbeitsplätze einen hohen Stellenwert eingenommen, lobte Bahr die Branche. Ein hohes Maß an Zustimmung gab es, als der Minister für eine neue Kultur des Vertrauens" warb und ankündigte, die Bürokratie auf ein vernünftiges Maß reduzieren zu wollen. "Mehr Dokumentation, immer neue Vorgaben haben nicht zwangsläufig eine bessere Qualität zur Folge." Bahr sprach sich wieter ausdrücklich gegen die Pläne der EU aus, das Abitur zur Zugangsvoraussetzung für eine Asubildung im Pflegebereich zu machen. "Wir brauchen die Haupt- und Realschüler, müssen gleichzeitig aber die Weiterbildungsmöglichkeiten und Perspektiven für den Beruf verbessern." Dazu gehöre auch die Übernahme bisher ärtzlicher Tätigkeiten.
Auch Gerald Hüther, Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Universitäten Göttingen und Mannheim/Heidelberg, sprach sich für eine Kultur des Vertrauens aus, in seinem Zusammenhang zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen. Auch für ältere und pflegebedürftige Menschen stünden die Grundbedürfnisse im Mittelpunkt: Verbundenheit und Freiheit, als Individuen mit eigenen Kompetenzen wahrgenommen und geschätzt zu werden. Er mahnte jedoch die Pflegewirtschaft, bei aller Professionalisierung nicht Strukturen zu schaffen, die dann um ihrer selbst wegen verwaltet werden müssten. "Zu viele Förster", die den Wald vordringlich wirtschaftlich ausschlachten wollen, würden das natürliche Gleichgewicht des Organismus Wald erheblich stören.
13.01.12
Kongress Pflege 2012
Vom 27. – 28.Januar 2012 findet in Berlin der "Kongress Pflege 2012" statt. Das Kernthema wird „Pflegekammern in Deutschland“ sein. Es soll darüber informiert werden, wie der Stand in den einzelnen Bundesländern ist und wie die Struktur einer Bundespflegekammer aussehen könnte. „Die Grundstrukturen der Landespflegekammern sollten möglichst einheitlich sein, deshalb muss sich eine Bundespflegekammer als Dachorganisation parallel zu den Landespflegekammern entwickeln“, fordert Peter Bechtel, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Leitender Pflegepersonen (BALK) e.V., welche neben dem Deutschen Pflegerat (DPR) e.V. und weiteren führenden Berufsverbänden Kooperationspartner des Kongresses ist.
Auf dem "Kongress Pflege 2012" werden wie jedes Jahr wieder rund 1.000 professionell Pflegende aus allen Versorgungsbereichen erwartet, die sich über verschiedene Themen wie Personalbedarfsberechnung und Personalrecruiting, Dienstplangestaltung aus arbeitsrechtlicher Sicht oder Krankenhaushygiene und das neue Infektionsschutzgesetz informieren und weiterbilden möchten. Weitere Schwerpunkte werden sein: IT in der Pflege sowie Kommunikation und Konfliktmanagement. Aktuelle Themen zu den Entwicklungen in Sachen Pflegereform und Berufsgesetz werden ebenfalls aufgegriffen.
19.12.11
Barmer GEK - Pflegereport 2011
Die Diskussion über eine Reform der Pflegeversicherung gewinnt deutlich an Dynamik. Besonders der jüngst vorgestellt BARMER GEK Pflegereport 2011 trifft auf großes Interesse. Laut dem Report lag das Risiko pflegebedürftig zu werden für Männer im Jahr 2009 bei 50%, bei Frauen sogar bei 72%. Der Antstieg ist beträchtlich: Im Jahr 2000 hatte das Risiko für Männer noch bei 41% und für Frauen bei 65% gelegen. Deutschlands Pflegeversorgung stellt das vor ernorme Herausforderungen. "Das Thema Pflege wird uns weiter treiben. Auf Dauer können wir uns Reformen im Schneckentempo nicht mehr leisten, wir müssen schneller vorankommen", so Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK.
Auszug der Ergebnisse des Barmer GEK Pflegereports 2011:
- 5% der 80-Jährigen und 20% der 90-Jährigen werden innerhalb eines Jahres pflegebedürftig
- Frauen sind länger pflegebedürftig als Männer. So überlebten Männer die im Jahr 1999 pflegebedürftig wurden, durchschnittlich 3 Jahre, Frauen 4 Jahre
- Das Sterben verlagert sich ins Krankenhaus oder Pflegeheim. Die Zahl der über 30-Jährigen, die im Krankenhaus verstarben ist zwischen 2000 und 2009 von 401.000 auf 423.000 Menschen im Jahr gestiegen. Gleichzeitig wuchs die Zahl der im Pflegeheim verstorbenen von 140.000 auf 159.000. Damit verstarben 70% in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Im Jahr 2000 lag die Quote bei 65%.